Gastbeitrag Wangpo Tethong: Zeige Mut und Ausdauer

September 21, 2021

Für meine Sozialisierung hat die Tibet-Bewegung eine grosse Rolle gespielt. Ich beobachte seit vielen Jahren fasziniert, wie engagiert sich eine kleine Gruppe von Menschen für die Anliegen des Himalaya Volkes einsetzt. Und das mit erstaunlicher Wirkung. Die Fähigkeiten und Werkzeuge, die sie dabei einsetzen, sind sehr bescheiden. Sie missachten fast alle PR-Grundregeln. Aber es funktioniert trotzdem. Dieser Erfolg wird von vielen mit dem Phänomen Dalai Lama begründet. Ein guter Erklärungsversuch, aber nicht hinreichend.

Mit einem Freund aus der Kommunikationsbranche führe ich seit Jahren ein Gespräch über die Gründe für diesen Erfolg Der Kern besteht unserer Meinung nach in der kollektiven Erfahrung eines Traumas. Eines Traumas, das verarbeitet und zur Basis einer ethischen Grundhaltung wurde. Sie kommt, gewollt oder nicht, bei jeder persönlichen Begegnung oder öffentlichen Aktion zum Ausdruck.

Entscheidend für die Wirkung ihrer Kommunikation ist, dass die Tibeterinnen und Tibeter zutiefst davon überzeugt sind, dass die traumatische Erfahrung der chinesischen Besetzung Tibets über das Politische hinausgeht. Es geht um mehr. Ihre Not, empfinden sie als eine spirituelle Herausforderung, deren Überwindung sie stärker macht. Es sind nicht Ressentiments, die sie antreiben, sondern eine positive Gewissheit, dass eine bessere Zukunft vor ihnen liegt. Sie werden deshalb von einem Gefühl, dass sie etwas Besonderes in dieser Welt darstellen, getragen.

Solche Erfahrungen sind nicht nur Tibeterinnen und Tibetern vorbehalten. Tatsächlich kommen sie in verschiedenen historischen Kontexten und überall auf dem Planeten vor. Für sie alle gilt: Je prägender eine solche Erfahrung ist, desto stärker kann die daraus erwachsende Stärke sein.

Wir haben unsere persönlichen Erkenntnisse dieser Gespräche mit Tibeterinnen und Tibetern zu Papier gebracht, Anekdoten zusammengetragen, und zu Leitsätzen verdichtet, die wir als «Mantra» bezeichnen. Sie sollen Verantwortlichen in Firmen, NGOs und Privatpersonen, zu einer nachhaltigen und besseren Kommunikation und Handeln anregen. Für uns stehen diese Mantras im Zentrum. Was sind Ihre Mantras?

Zeige Mut und Ausdauer.

Empathie öffnet die Augen.

Erfreu dich an einfachen Ideen.

Misstraue der Macht deiner Rede.

Scheu dich nicht, dich neu zu erfinden.

Lass es gut sein, wenn’s nicht geht.

Wangpo Tethongs (wangpo@tethong.ch) bisherige berufliche Stationen sind die Grüne Partei des Kantons Zürich, Greenpeace Schweiz, Kampagnenforum und SWISSAID. Im Oktober 2021 tritt er die Stelle des Executive Director der International Campaign for Tibet (Europe) an. https://savetibet.org/

Zusammen mit Kelsang Gope (Konzepter und Texter bei der Agentur Serviceplan) arbeitet er seit zwei Jahren am Fachbuch über “Kampagnenmantras”.

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